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Buchtipp




Der Buchtipp im Juni 2008

von Maria Fellinger-Hauer

Rudolf Habringer : Islandpassion

Picus Verlag, 2008. 353 Seiten

Mehrere Erzählebenen und unterschiedliche Schauplätze prägen den neuen Roman "Island-Passion" von Rudolf Habringer.
Im Zentrum steht die Entwicklungsgeschichte der Hauptfigur Richard Behrend. Und es geht um den von den Nazis ins Isländische Exil getriebenen Musiker Karl Wallek - ihm liegt die wahre Geschichte des vertriebenen Musikers Victor Urbancic zu Grunde. Es geht um die legendäre Schachweltmeisterschaft zwischen Bobby Fischer und Boris Spaski in der Isländischen Hauptstadt, um das Milieu an der Wiener Universität und das Studentenleben der 70er Jahre. Es geht um Selbstfindung, Freundschaft, Liebe, Konkurrenz und Eifersucht, um den österreichischen Umgang mit Geschichte und Vergangenheit, kurz um private Beziehungsgeschichte und die politische Geschichte des 20. Jahrhunderts seit den 30er Jahren.
Der Roman ist in drei Hauptteile gegliedert, denen ein 15 seitiger Prolog vorangestellt ist, in dem drei Szenen aus den Jahren 1973 und 1964 sowie aus Behrends Gegenwart erzählt werden. Der erste Teil ist mit "Festlandepoche" übertitelt, dann folgt das "Islandtagebuch" und ein dritter Teil namens "Leuchtturm". Ein großer Stoff, den der Autor genial meistert. Er erzählt nicht chronologisch, sondern auf mehreren Zeitebenen, mit Rückblenden und Schauplatzwechseln.
Richard Behrend ist ein Landkind, der Vater ist Dorfschullehrer im Mühlviertel. Er besucht in den 60er Jahren ein Internat in der Hauptstadt. Dort erlebt er nicht nur Positives, findet einen "besten Freund", Gerhard Zollner, mit dem er nach Wien geht. Beide studieren Musikwissenschaft. Durch den Vater seiner Freundin erhält Behrend die Möglichkeit, als Journalist zur Schach WM nach Island zu fahren, wo er auf die Spuren Karl Walleks stößt.
Zurück in Österreich setzt er seine Recherchen über den Musiker fort, erlebt Widerstände mit denen er nicht gerechnet hat. Er will seine Dissertation über Wallek schreiben, doch das Vorhaben scheitert am Professor. Zukunftspläne und Freundschaften zerbrechen. Schließlich wandert Behrend nach Island aus, wo er ein neues Leben beginnt. Welche Gründe für das Scheitern auf mehreren Ebenen verantwortlich sind, erfährt man erst nach und nach. So wie sich überhaupt viele Zusammenhänge ganz langsam erschließen. Das macht den Roman spannend bis zur letzten Seite.
Wer das Landleben und die 60er und 70er Jahre noch aus eigenem Erleben kennt, wird nicht nur von der authentischen Schilderung der Familie und des Internatslebens berührt sein. Die sprachlich sehr schöne, schnörkellose und strukturierte Erzählweise zieht den Leser/die Leserin in die Geschichte hinein und lässt ihn/sie so leicht nicht mehr los. Einzig im Islandtagebuch gibt es ein paar holprige Stellen.
Insgesamt eines der besten Bücher unter den deutschsprachigen Neuerscheinungen des Frühjahrs.

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zuletzt aktualisiert: 30.12.2011  |  URL dieser Frameseite: http://www.goldwoerth.bvoe.at