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Buchtipp




Lesenswert - Buchtipp

von Maria Fellinger-Hauer

Familie Salzmann von Erich Hackl

Diogenes Verlag, Zürich 2010, 184 Seiten

Es sind immer authentische Schicksale, die den Büchern des aus Steyr stammenden Autor zugrunde liegen. Bekannt wurde er mit der Geschichte des Zigeunermädchens Sidonie, die auch verfilmt wurde.
In seinem neuen Buch "Familie Salzmann" erzählt er eine Familiengeschichte über drei Generationen und die grausamsten Zeiten des 20. Jahrhunderts.
Am Beginn der Erzählung steht Hanno, der Enkel, der im Jahr 2006 an seinem Arbeitsplatz gemobbt und schließlich gekündigt wird, nachdem er einen Satz fallen hat lassen: "Meine Oma ist in einem KZ umgekommen." Noch die dritte Generation leidet an dem, was den Großeltern widerfahren ist und was die Umstände aus den Menschen über Generationen hinweg gemacht haben. Hanno ist der Enkel des kommunistischen Widerstandskämpfers Hugo Salzmann und seiner aus einer kinderreichen Familie aus der Steiermark stammenden Frau Juliane, die in Ravensbrück umkam.
Das antisemitisch motivierte Mobbing des Enkels war der Anlass, sich auf die Spurensuche der Familie zu begeben. Weil Dokumente nicht alles sind, greift der Chronist häufig zur Möglichkeitsform. Er macht das sehr behutsam und zeichnet so lebendige Bilder der Personen in ihrer Vielschichtigkeit. So wird auch die Unfähigkeit des im Widerstand heldenhaften Hugo Salzmann deutlich, eine Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen, was sich nachhaltig negativ über Generationen auswirkt. Verhältnisse, die Unrecht hervorbringen, beim Namen zu nennen und sichtbar zu machen, das ist Hackls Anliegen in allen seinen Büchern. Das ist ihm auch hier wieder auf eine sehr berührende Weise gelungen.


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zuletzt aktualisiert: 30.12.2011  |  URL dieser Frameseite: http://www.goldwoerth.bvoe.at